FÜNF LIEBLINGSLIPPENSTIFTE (UND WARUM ICH SIE SO MAG)


Ein Lippenstift in Pink-Koralle, der „Bam!” macht und schamlos leuchtet. Er ist ein bisschen lauter und verspielter als ich und es ist ein Supergefühl, mit diesem Teil Brötchen kaufen zu gehen. Gut ist er auch zu meinen Lippen, was vermutlich daran liegt, dass die Produkte von Treat Collection natürliche Zutaten wie Lanolin, Rizinussamen- und Jojobaöl enthalten.

Wer sagte nochmal, dass man mit nichts so schnell gut angezogen ist wie mit einem Lippenstift? Es ist so wahr. Diesen Lippenstift trage ich an Tagen, an denen ich keine Zeit habe, mich ausführlich zu schminken oder mir groß zu überlegen, was ich anziehe. Ein sattes, kühles Rot, das nicht laut schreit, aber auch nicht flüstert. Die Textur ist nicht sehr deckend, sondern eher wie ein Lipbalm, deshalb lässt er sich schnell und unkompliziert auftragen.

Mein Lippenstift für all diese Tage. All diese Tage, an denen ich so aussehe, wie ich mich fühle, all diese Tage, an denen aber mal so gar nichts funzt, all diese Tage, an denen ich durchhänge, müde, muffig bin. Die Farbe ist ein Sommerferien-Orange-Rot, das aber auch gut gegen Winterblässe hilft. Man kann ihn zart auftragen oder knallig. Funktioniert bei mir wie „Je veux” von Zaz.

Eine Lippenstiftfarbe, auf die ich nie selbst gekommen wäre und die ich nur gefunden habe, weil Estée Lalonde sie vor Ewigkeiten in einem ihrer Videos empfohlen hat. Ich bin sehr anfällig für die Empfehlungen von Frauen, die ich hinreißend finde, und in diesem Fall habe ich den Kauf nicht eine Sekunde bereut. Mit diesem Rosérot sehe ich frischer und wacher aus und für einen Lippenstift, mit dem ich mir acht Stunden Schlaf ins Gesicht malen kann, bin ich gerade wirklich dankbar.

Dieser Gloss ist natürlich kein Lippenstift, darf hier aber trotzdem nicht fehlen, weil er das Ringelshirt unter meinen Lippenrots ist. Ich trage ihn andauernd, kriege nie genug von ihm und fühle mich immer gut mit ihm. Er gibt nur einen Hauch von Rot und einen zarten Schimmer, er klebt kein bisschen und spendet nebenbei noch Feuchtigkeit. Große Liebe.


Was sind denn eure Lieblingslippenstifte?

JA / 1 (EIN PAAR DINGE, DIE MEIN LEBEN SCHÖNER MACHEN)



Ein noch ganz leeres Notizbuch.

Ihr gleich-gibt´s-Milch-Glucksen.

Neujahrsburger.

„Guck mal, Mama, wir schwestern.”

Diese beiden Gedanken aus dem Interview von Cathy Horyn mit Raf Simons: „When you do six shows a year, there´s not enough time for the whole process,” he explains.  „Technically, yes – the people who make the samples, do the stitching, they can do it. But you have no incubation time for ideas, and incubation time is very important. When you try an idea, you look at it and think, Hmmm, let´s put it away for a week and think about it later. But that´s never possible when you have only one team working on all the collections.Und: „Everything is so easily accessible, and because of that you don´t make a lot of effort anymore. When we were young, you had to make up your mind to investigate something – because it took time. You really had to search and dig deep. Now if something interests you, one second later, you can have it. And also one second later you also can drop it.

Weihnachtsgeschenke im Januar.


Dunkle Schokolade mit Salz.

Und plötzlich schneit es.

Der zweite Satz im neuen Buch von Jonathan Safran Foer: „Er hatte in einer Wohnung gelebt, in der die Bücher bis zur Decke reichten und die Teppiche so dick waren, dass Würfel darin verschwanden; danach in einer Anderthalb-Zimmer-Wohnung mit Lehmboden; im Wald unter gleichgültigen Sternen; unter den Fußbodendielen eines Christen, dessen Rechtschaffenheit eine halbe Welt und ein Dreivierteljahrhundert später durch das Setzen eines Baumes gewürdigt wurde; in einem Loch, und das so viele Tage, dass er die Knie nie wieder ganz durchdrücken konnte; unter Roma und Partisanen und halbwegs anständigen Polen; in Übergangs-, Flüchtlings- und Vertriebenenlagern; auf einem Schiff mit einer Flasche, in die ein schlafloser Agnostiker ein Schiffchen gezaubert hatte; auf der anderen Seite eines Ozeans, den er nie ganz überqueren sollte; über einem halben Dutzend Lebensmittelläden, die er im Schweiße seines Angesichts aus dem Boden gestampft hatte, um sie dann mit geringem Gewinn zu verkaufen; mit einer Frau, die die Schlösser so oft überprüfte, bis diese kaputtgingen, und die mit zweiundvierzig an Altersschwäche starb, ohne ein Wort des Lobes, dafür aber mit den sich unaufhörlich teilenden Zellen ihrer ermordeten Mutter im Gehirn; und schließlich, während des letzten Vierteljahrhunderts, in einer schneekugelstillen Hochparterrewohnung in Silver Springs: Auf dem Kaffeetisch vergilbten zehn Pfund Roman Vishniac; im letzten noch funktionierenden Videorekorder der Welt entmagnetisierte sich Feinde – Die Geschichte einer Liebe; in einem Kühlschrank, mumifiziert durch die Fotos großartiger, genialer, tumorfreier Urenkel, mutierte Eiersalat zu Vogelgrippe.”



Dieses Weblog.

Patti Smith, ihr Auftritt, ihre Worte danach: „When my husband, Fred, died, my father told me that time does not heal all wounds but gives us the tools to endure them. I have found this to be true in the greatest and smallest of matters. Looking to the future, I am certain that the hard rain will not cease falling, and that we will all need to be vigilant. The year is coming to an end; on December 30th, I will perform “Horses” with my band, and my son and daughter, in the city where I was born. And all the things I have seen and experienced and remember will be within me, and the remorse I had felt so heavily will joyfully meld with all other moments. Seventy years of moments, seventy years of being human.”

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ANFÄNGE UND APFEL-ZIMT-STREUSELKUCHEN




Gestern Nacht, als ich nicht wieder einschlafen konnte, nachdem sie aufgewacht war, habe ich im Netz herumgelesen. Die meiste Zeit ging es darum, wie man es schafft, 2017 endlich effektiver zu werden. Effektiv abzunehmen, zu arbeiten, aufzuräumen. Ich las das alles und fragte mich, was eigentlich mein Plan für dieses Jahr ist. Was die Dinge sind, die meinem Leben gut tun würden, und natürlich gäbe es darin so einiges zu schaffen, lassen, straffen. Aber in Wahrheit will ich dieses Jahr eigentlich nur eines: wieder neugieriger auf mich selbst sein. Und zwar vollkommen ineffektiv. Mehr schreiben. Ohne Auftrag, ohne Formatierung, für mich, in dieses Weblog und gucken, wohin mich das bringt. Ausprobieren, was da an Ideen in mir herumpuckert und dabei oft um Rat und Expertise bitten (weil es bescheuert ist, das aus Verlegenheit nicht zu tun oder weil ich davon überzeugt bin, dass ich das sowieso nicht kann, ohne es überhaupt ausprobiert zu haben). Mehr Musik hören, vor allem solche, die ich nicht kenne. Meinen Albernheiten folgen, meiner Sehnsucht, meinem Bauch. Der wollte heute Apfelkuchen, einen, der mir im Kopf herumlungert, seit ich ihn in „Eat in My Kitchen” gesehen habe –  einem ganz wunderbaren Kochbuch, das ich zu Weihnachten geschenkt bekommen habe (vielleicht kennt ihr schon das ebenso wunderbare Weblog von Meike Peters). Ganz unten: ein wahnsinnig buttriger Teig, in der Mitte: saftige, leicht säuerliche Äpfel, oben: Unmengen von Zimt-Streuseln, die im Mund krachen. Dazu, und das steht nicht im Rezept: sehr viel Schlagsahne. Ein guter Anfang.




APFEL-ZIMT-STREUSELKUCHEN 
(nach einem Rezept von Meike Peters aus „Eat in My Kitchen”

Zutaten für den Teig
* 125 g weiche Butter
* 125 g Zucker
* 1/4 Vanilleschote, ausgekratzt
* 3 Eier
* 250 g Mehl
* 2 TL Backpulver
* 1 Prise feines Meersalz

Zutaten für die Obstfüllung
* 5 große saure Äpfel (ich nehme Boskop), geschält, halbiert und entkernt, die äußere Seite der Apfelhälften 5 Mal der Länge nach eingeritzt

Zutaten für die Streusel
* 200 g Mehl, nach Bedarf mehr
* 125 g Zucker
* 1/4 Vanilleschote, ausgekratzt
* 2 TL Zimt
* 125 g Butter, geschmolzen, nach Bedarf mehr

Zutaten für das Topping
* 2 TL Zucker
* 1/8 TL gemahlener Zimt

1) Den Ofen auf 180°C Umluft vorheizen.
2) Eine Springform (Durchmesser: 25cm) buttern.
3) Für den Teig die Butter, den Zucker und die Vanille in einer großen Schüssel mit einem Mixer cremig schlagen. Nacheinander die Eier dazugeben, dazwischen immer gut verrühren, dann etwa 2-3 Minuten cremig schlagen.
4) Das Mehl mit dem Backpulver und Salz vermischen. Zur Buttermischung geben und mit dem Mixer gut verrühren. Den Teig in die gebutterte Form geben, die Äpfel (mit der eingeritzten Seite nach oben) darauf verteilen und sanft in den Teig drücken.
5) Für die Streusel das Mehl, den Zucker, die Vanille und den Zimt in einer großen Schüssel vermischen. Die geschmolzene Butter dazugeben und mit den Knethaken eines Mixers rühren, bis sich erste Streusel bilden. Falls sie zu feucht oder klebrig sind, mehr Mehl nachgeben. Sind sie zu fein oder formen keine größeren Streusel, mehr geschmolzene Butter angießen. Sofort über den Äpfeln verteilen, mit den Fingern größere Streusel zerkrümeln.
6) Für das Topping den Zucker mit dem Zimt vermischen und über den Streuseln verteilen. Etwa 50-60 Minuten golden backen. Der Kuchen ist fertig, wenn ein Metall- oder Holzstäbchen, das man in die Mitte piekst, fast sauber bleibt. Den Kuchen mindestens 15 Minuten abkühlen lassen, bevor er aus der Form genommen wird.

Die Äpfel lassen sich auch durch 1 Kilo entsteinte, halbierte Pflaumen ersetzen. Oder durch 800 g geputzten, in 4 cm lange Stücke geschnittenen Rhabarber.

Meike Peters: „Eat in My Kitchen: Kochen, backen, essen und genießen”, Prestel, 256 Seiten, 29,95 Euro. Hier ist eine Review in der New York Times.


16 FRAGEN AN 2016

„Tatsächlich... Liebe” geguckt. Und den Rotkohl meiner Schwester gekocht. Haselnuss-Karamell-Schnitten gemacht und unfassbare Schokoladen-Meringues. Im Milchreis nach der Glücksmandel gesucht (eine dänische Tradition, die Marlene mir beigebracht hat) und in neuen Weihnachtsbüchern gelesen. Runden um den Pudding gedreht. Schneekugeltage, wenn es denn schneien würde. Trotzdem geht mir gerade viel durch den Kopf. Mehr noch als sonst am Ende des Jahres. So viel ist 2016 passiert, im Kleinen wie Großen. Dieses Jahr hat mich so glücklich gemacht. So müde manchmal. Traurig auch und oft ratlos. Und weil ich Fragen und Listen mag, habe ich 16 Fragen an 2016 geschrieben, die dabei helfen sollen, dieses Jahr zu Ende zu denken – es zu sortieren, zu enthaken, einzuordnen. Und mich an all das Schöne zu erinnern, das es auch gebracht hat. Die Antworten, die ich gefunden habe, folgen nächste Woche. Oder wann immer ich sie gefunden habe. Jetzt denke ich mir ein Silvesteressen aus (was gibt´s denn bei euch?). Und kaufe ein paar Glückskekse und Knallerbsen. Und Ü-Eier fürs Ü-Eier-Orakel. Und schreibe mit einer Wunderkerze einen Wunsch für 2017 in die Luft. Weil ich mir ganz sicher bin, dass das funktioniert. Und bin sentimental und dankbar und ein bisschen durch den Wind.

Kommt gut ins neue Jahr. Ich hoffe, es bringt euch ganz viel Schönes. 
Danke fürs Lesen. Und überhaupt.
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DANCE, DANCE, DANCE: ZEHN FILM-TANZSZENEN,
DIE MIR GUTE LAUNE MACHEN (UND EIN HINREISSENDES WEIHNACHTSVIDEO)




















PS:

EINE LIEBESLISTE MIT AUTORIN MIRIAM STEIN



Miriam Stein hat ein irrwitziges und irrwitzig gutes Buch über ihr eigenes Leben geschrieben. Und während ihr Text voran tanzt (sie schreibt schnell, umweglos, in lauter präzise gesetzten Schritten), auch über unser aller Leben im 21. Jahrhundert. Es geht um Angst. Zuerst um die für sie plötzlich einsetzenden Angstattacken ihrer Mutter, die bald zu einer Dauerangst werden, vor allem möglichen. Darum, wie das eine Kindheit, eine Jugend und ein Erwachsensein bedrängt, aus den alten Schienen hebt und in neue zwängt. Dann darum, wie sie zur Einzelgängerin, zum tough cookie wird. Darum, wie sie sich durchschlägt, abhaut, sich fängt, ankommt. Und darum, wie sie die Angst zu erforschen beginnt, merkt, dass sie überall rumort, auch hinter dem Lächeln all der Leute, die versichern, alles sei gut. „Das Fürchten verlernen – 7 Mutproben, die alles verändern” (Suhrkamp) ist vieles: beklemmend, verstörend, tief, lakonisch, nah an der Zeit, und immer wieder auch witzig, auf eine schwarze Art, eines aber ist es nie: selbstmitleidig. Ich finde, man sollte dieses Buch unbedingt lesen. Schon um diese tolle Frau kennenzulernen, die bei Harper´s Bazaar als Features Director arbeitet. Hier ist ihre Liebesliste.

1) Ein Buch, das dir viel bedeutet?
„Der bessere Teil der Welt” von Jennifer Egan. Das beste, schlaueste und mutigste Buch der letzten Jahre. Ein Kapitel besteht aus einer Powerpoint-Präsentation, die einen beim Lesen zum Heulen bringt – Powerpoint, nicht gerade ein gefühliges Programm. Ich lese immer wieder rein, wenn ich selbst keinen geraden Satz mehr schreiben kann. Mit Jennifer Egan im Ohr geht es immer sofort besser. 

2) Ein Film, der lange bei dir geblieben ist?
„The Royal Tenenbaums”, „Lost in Translation” und „Her”. Als „The Royal Tenenbaums” in die Kinos kam, wollte ich selbst noch Filmemacherin werden. Ich sah den Film und schrieb daraufhin ein Drehbuch. Es wurde nie verfilmt, aber es war das erste langformatige Stück, das ich fertig geschrieben habe. „Lost in Translation” hat mich abgeholt, obwohl ich erst Jahre später nach Tokio gereist bin, saß ich damals mit Charlotte (Scarlett Johansson) am Fenster und starrte voller Heimweh auf die Metropole im Dunkeln. „Her” – ein Mann verliebt sich in ein Betriebssystem, das wiederum nach dem Sinn der Existenz sucht – das klingt so verkopft und ist als Film lustig und rührend und absolut einzigartig. Mit High-Waist-Hosen von Opening Ceremony. 

3) Ein Song, der dir unendlich gute Laune macht?
„Disco 2000” von Pulp: „Let’s all meet up in the year 2000. Won´t it be strange when we are all fully grown.“

4) Was ist deinem Kleiderschrank ziehst du immer wieder an?
Ein gepunktetes Kleid von Zara. Ein sehr dankbares, pflegeleichtes Knock-Off aus der ersten Slimane-Saint-Laurent-Kollektion – mit Pussy Bow und so. War ein Frustkauf in der Mall am Potsdamer Platz in der Launch-Phase von Harper’s Bazaar. Man kann es in der Waschmaschine bei 40 Grad waschen. Und es dann sofort wieder anziehen, denn es passt immer. 

5) Und was würdest du niemals wegwerfen, obwohl du es schon lange nicht mehr anziehst?
Ein Cocktailkleid von Donna Karan, Jahrgang 1998. Damals habe ich als Fotoassistentin in der Werbung 250 Mark am Tag verdient. Durchschnittlich war ich 20 Tage im Monat durchgebucht, also: Do the math. Ich dachte, ich wäre reich und habe mir das Kleid im Apropros-Conceptstore in Köln für 2200 Mark geleistet und hatte selbst eben nicht durchgerechnet, dass so ein Kleid doch ziemlich weit über meinen finanziellen Möglichkeiten lag. Monatelang war ich pleite, heute passe ich nicht mehr so gut rein wie mit 21. Ich liebe es trotzdem. Es ist nude, aus zwei Lagen Seidenchiffon, Single-Shoulder. Ein Traum. Und ein Grund, Spanx zu kaufen… 

6) Wonach duftest du gerne?

7) Ein Lippenstift?

8) Ein Ort, der Zuhause ist?
Meine neue Wohnung im Lokdepot in Berlin und Porto Colom, Mallorca.

9) Und an welchen willst du unbedingt noch reisen?
Tahiti, weil Südsee...

10) Was gehört zu einem guten Abend?
Ein paar gute Freunde, Pinot Noir, idealerweise eine laue Sommernacht.



11) Und zu einem guten Morgen?
Kein Termin, keine Schule, kein Wecker.

12) Ein Gefühl, das du magst?
Geschafft!

13) Welcher Gegenstand war dir mit sechs wichtig? Mit 16? Und heute?
Mein Stoffschaf. Es ist so alt wie ich und gehört heute meinem Sohn. Das Album „Siamese Dream“ von Smashing Pumpkins. Mein iPad (sorry, unromantisch, aber verdammt praktisch!).

14) Welchen Wunsch wirst du dir nie abgewöhnen?
Dass am Ende alles gut wird. Es wurde immer. Es wird immer. Warum sollte sich das ändern? (Oder?!)

15) Worauf fühlt sich deine Haut am wohlsten?
Warme, schmeichelnde Sonne, die Haut von meinem Sohn und meinem Freund. 

16) Schönste Sünde?
Keinen Sport machen. Ich bin unsportlich, ich bin die schlechteste Yogaista in ganz Berlin. Es macht mir keinen Spaß, also lasse ich es, lese lieber und verzichte auf getonte Bauchmuskeln (man muss nicht jeden Trend mitmachen, oder?).

17) Eine gute Entdeckung der letzten Zeit?
Gut sind: Nachbarn mit Kindern im gleichen Alter, die alle netten Seiten von Super-Mitbewohnern haben und trotzdem ihren eigenen Kühlschrank, ihr eigenes Klo und ihr eigenes Mietkonto haben. So will ich leben: Gemeinsam, aber so separat, dass man sich nicht über Dinge streiten muss, die das süße WG-Leben einst so anstrengend gemacht haben. 

18) Beste Lehre, die dir zuteil wurde?
Richtig gute Freundschaften bleiben auch dann gut, wenn man sich nur zweimal im Jahr sieht, obwohl man in der gleichen Stadt wohnt. Freundinnen-Zeit bedeutet Quality- nicht Quantitytime. 

19) Ein schöner Mensch, den du nicht persönlich kennst?

20) Große Liebe? Klitzekleine, aber unverzichtbare Liebe?
Mann und Sohn.

Miriam Stein: „Das Fürchten verlernen – 7 Mutproben, die alles verändern”, 270 Seiten, Suhrkamp, 14,95 Euro. Ihre Homepage ist hier zu finden.
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DER NOVEMBER 2016 (UND WAS IHN GUT GEMACHT HAT)


Auf dem Sofa gelegen, das jetzt wieder unsere Höhle ist. Alles, was ich brauche, in Griffweite – Windeln, ein Spucktuch, Bücher, die ich dann doch nicht lese, die aber eine gute Gesellschaft sind, mein Handy, eine Flasche Wasser. Irgendwann schläft sie auf mir ein. Ihr Atem wird gleichmäßiger, ihr Körper schwerer und dann liegen wir da, Bauch an Bauch und ich bewege mich nicht, nicht einen Millimeter – der Moment soll gar nicht mitkriegen, wie schön er ist. Manchmal binde ich sie mir um und wir holen Fanny von der Schule ab. Dann rennt sie auf uns zu und den ersten Kuss bekommt immer ihre kleine Schwester. Manchmal gehen wir einfach spazieren, nirgendwohin. Am Anfang musste ich mich erst an das Nirgendwo gewöhnen. Jetzt fließen die Stunden und Tage ineinander, manchmal weiß ich gar nicht, welchen Wochentag wir haben. Oder ich schaue zum ersten Mal auf die Uhr und es ist halbdrei. Unsere Kreise sind klein und das Leben sehr rund. 

Und dann war im November ja auch noch… 
* …Fannys sechster Geburtstag. Ich glaube, das Schild an der Tür lasse ich bis zum nächsten Geburtstag hängen. Was für ein schöner Tag das war. 
* Und dieser Pyjama-Sonntag, als wir die Tafel in der Küche in einen riesigen Adventskalender verwandelt haben (nicht meine Idee, sondern Instagram-Inspiration von mini-marktlemonsare_sweet und vintagehouse). Plötzlich war da ganz viel leise Weihnachtsstimmung (später auch laute, denn dann haben wir meine Hohoho-Playlist angestellt).  
* Frisch gebackene Waffeln mit Puderzucker und heißen Kirschen. Diese hier sind toll. Diese hier werde ich auch mal probieren. Oder habt ihr ein gutes Rezept? 
* Der erste Besuch auf dem Weihnachtsmarkt. Eigentlich mag ich Weihnachtsmärkte nicht besonders, meistens sind sie mir zu laut und trubelig, der skandinavische in der Kulturbrauerei ist aber wirklich schön. 
* All die liebevollen Gedanken und Geschenke für das kleine Mädchen, Fanny und mich. Wie die hinreißenden Ringelshirts, die wir von Marlene und Steffi geschenkt bekommen haben. „Liberté” für mich, „Petit Biscuit” für sie. 
* Die Fotografie, die ich mir bei der „Bathroom Chronicles”-Ausstellung von MDC Cosmetic gekauft habe. Nach einer Idee der Lektorin Friederike Schilbach zeigen Frauen aus aller Welt ihr Badezimmer. Mit dabei sind Sheila Heti, Leanne Shapton, Lena Dunham oder Sarah Illenberger. „Immer schon fand ich Badezimmer interessanter als Wohnzimmer, Küchen oder Schlafzimmer – es ist ein Ort, an dem man sich selbst begegnet, im Spiegel, beim Zähneputzen, Eincremen, Haare zurechtmachen, auf dem Weg in den Tag oder in die Nacht. Viele meiner Freundinnen bewahren dort Dinge auf, die für sie emotional bedeutsam sind (...). Es ist ein intimer Raum, vielleicht der intimste der ganzen Wohnung, in dem sie ihr Leben ausbreiten, sich selbst gegenübertreten, ihre Identität konstruieren, ein Selbstporträt schaffen”, schreibt sie auf Hey Women. Ich habe mir alle Bilder angesehen, ohne zu wissen, wer sie gemacht hat. Am Ende habe ich mich für das eine Foto entschieden, das ganz alleine neben der großen Fotowand hing: Nr. 89 von Yujin Seo aus Bangkok. Im großen rosefarbenen Flyer steht zu diesem Bild: „Ich habe all diese Objekte über Jahre gesammelt. Sie stammen aus unterschiedlichen Ländern. Es sind auch Bilder von meiner Tochter dabei. Sie sind an dem Ort versammelt, an dem ich morgens den Tag beginne und stellen eine Verbindung zu meiner Vergangenheit dar und der Zukunft, die vor uns liegt.” Ich werde ihr Bild in mein Badezimmer hängen.
* Der Himmel da oben: „Darkened Cities”.
* Neues Lippenrot gegen das Jogginghosengefühl: „Lip Shine” von RMS Beauty in „Sacred”.
* Das Zebra, das Fanny mir nach einem doofen Tag gemalt hat. Neben der so schönen Illustration von Feelizia.
* Diese Geschichte über Uromas Schokokekse. 
* Dieses so berührende Video über ein Paar, das über 70 Jahre verheiratet ist. 
* Diese so traurige Geschichte, die ich bei Stepanini entdeckt habe.  

Wie seid ihr denn durch den November gekommen? Ich hoffe, ihr habt viel Schönes erlebt.
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